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Nachlese Fachtagung 2011

"eXplorarium und die Schule von morgen"

Eine spannende, weil sehr offene Diskussion stand im Mittelpunkt des Tages, bei der wir mit einer "Fishbowl" ein Format ausprobiert haben, mit dem wir möglichst viele Meinungen von Beteiligten auf Augenhöhe einbeziehen konnten.

Zu Beginn der Tagung wurden die Gäste zunächst von Schüler/innen in der Lernwerkstatt begrüßt, die Einblicke in ihre Lernprozesse gaben. Sie stellten ausgewählte Ergebnisse vor und erklärten, wie sie dabei in der Lernwerkstatt gearbeitet haben und was für sie das Besondere daran war. So sind z.B. ihre Leuchtobjekte in der Stromwerkstatt entstanden und wurden von ihnen auf der Lernplattform dokumentiert. Die Gäste lernten unter Anleitung der Kinder SOMA-Würfel kennen, konstruierten Würfelnetze, erkundeten geometrische Körper und diskutierten darüber, was ein Muster ausmacht. Das alles machten die Schüler/innen souverän und ohne jede Scheu, so dass sie sofort als Expert/innen ernst genommen wurden und beispielhaft deutlich machten, was passiert, wenn man ihnen Verantwortung für das gibt, was sie lernen.

Nach Vorträgen von Nikolai Neufert zur aktuellen Evaluation des eEducation Berlin Masterplans und Dr. Karin Ernst über das "eXplorarium und die Schule von morgen" ging es in der anschließenden Fishbowl-Diskussion um die Frage, was das eXplorarium konkret zur Schulentwicklung beitragen kann und wie die beteiligten Lehrkräfte das Projekt einschätzen. Um eine bloße Nabelschau zu vermeiden, hatten wir dazu zwei Vertreter der kritischen Öffentlichkeit eingeladen, die sich mit den Möglichkeiten neuer Medien bestens auskennen: den Bildungsjournalisten und Autor Christian Fülller sowie den Edublogger Martin Riemer, der u.a. Web 2.0-Tools im Unterricht an Berliner Grundschulen einsetzt.

Christian Füller, der für Widerspruch und Provokation sorgte, wies gleich eingangs auf die große Herausforderung hin, vor der wir alle stehen: Ein Online-Tsunami rolle auf uns in einer gigantischen Geschwindigkeit zu, so dass die Schulen der Bundesrepublik vor einer digitalen Bildungsrevolution stünden. Er beobachte zwei sehr unterschiedliche Reaktionen, zum einen eine Offenheit bei Gruppen wie dem eXplorarium-Netzwerk mit der wunderbaren Lernwerkstatt, zum anderen an vielen Schulen eine große kulturelle Distanz im Umgang mit digitalen Medien und Web 2.0-Anwendungen.

Spannend waren die Reaktionen der anwesenden Lehrkräfte, die bereits mit dem eXplorarium arbeiten, und die lebhaft illustrierten, wie sie mit dieser Herausforderung umgehen. Grundsätzlich herrschte Einigkeit darüber, dass sich dieses Projekt für alle Beteiligten außerordentlich bewährt habe und zwar in allen Schulformen. Bereits die Kleinsten wachsen im jahrgangsübergreifenden Lernen selbstverständlich in den Klassenverband hinein und lernen von den Älteren problemlos den Umgang mit dem Computer, so dass der Unterricht von Anfang an viel weniger lehrerzentriert verläuft. Die Lernplattform bietet Sprechanlässe, die die Kinder gerne aufgreifen, sie fühlen sich ernst genommen, lernen sich darstellen und erwerben darüber Selbstvertrauen. Dieser Aspekt der Wertschätzung durch die Bereitstellung einer modernen Technik lässt sich auch noch im Oberstufenunterricht beobachten, wobei die Schüler/innen den Unterricht mit der Lernplattform in großen Teilen selbst mitgestalten und -bestimmen. Sie lernen, dass sie selbst mit ihren Fragen und Diskussionen im Mittelpunkt stehen und sich damit Wissen und Kenntnisse aneignen.

Die provozierende Grundfrage, warum ein so scheinbar sperriges Instrument wie Moodle im eXplorarium genutzt wird, dessen Nutzen sich nicht sofort jedem erschließt, lässt sich also einfach beantworten: Diese Lernplattform hat den Vorteil, so war die einhellige Meinung, dass sie ein System und eine Struktur bereitstellt, die sich der Unterrichtssituation anpasst. eXplorarium als Projekt bietet den Schulen ein Konzept für den Einsatz von Medien im Unterricht, es bietet darüber hinaus Unterstützung im Unterrichtsprozess durch Fortbildung und Coaching an und stellt damit eine Kontinuität und Nachhaltigkeit her, die konkurrenzlos ist. Dass Moodle sich auch Neulingen relativ schnell erschließt, unterstrich eine Kollegin, die Anfang des Jahres eingestiegen ist und betonte, wie einfach und intuitiv der Umgang mit der Lernplattform sei, den sie in der konsequenten, schnellen Fortbildung erlernt habe.

So lange etwas vergleichbar Sinnvolles nicht im Angebot ist, ist Moodle das überzeugendste System, übrigens auch im internationalen Vergleich, wie ein Kollege aus den USA mit viel Erfahrung mit unterschiedlichen Lernplattformen berichten konnte.

Das eXplorarium ist ein Beispiel für funktionierenden Unterricht, der die Lebenswelt der "digital natives" nicht ausblendet. Martin Riemer stellte die Frage, wie man diese guten Erfahrungen nach außen, in die Web 2.0-Welt exportieren und sich weiteren Schulen öffnen könne. Wie können die Erfahrungen des Projekts im Netz Verbreitung finden und damit zur Diskussion über Möglichkeiten neuen Lernens mit Medienunterstützung beitragen? Dabei geht es nicht darum, den geschützten Raum der Lernplattform zu öffnen, sondern die Ideen und den Spirit nach außen zu tragen, z.B. über Twitter, um andere zu überzeugen und zu begeistern. Diese Frage blieb zunächst unbeantwortet.

Die Workshops im Anschluss boten eine gute Möglichkeit, um zu zeigen, wie die Unterrichtsreform, die durch das eXplorarium angestoßen wird, in der Praxis aussehen kann. Drei verschiedene Workshops zu folgenden Themen wurden angeboten: Brücken erfinden und bauen, Muster und Spiegelungen sowie Konstruktionen und Stabilität, um damit Entdeckendes Lernen auszuprobieren. Indem die Beispiele digital dokumentiert und kommentiert wurden, boten sie auch einen Einblick in die Arbeit mit den Kursen auf der Lernplattform, was von vielen begeistert angenommen wurde.

Die Tagung wurde kulinarisch durch die Leckereien der Schülerfirma "La Fallada" abgerundet, die bei sommerlichem Wetter im Innenhof der Schule serviert wurden. Das sorgte für eine wunderbar entspannte und zu Gesprächen anregende Atmosphäre.

 
 

Fachtagung 2011 Foto: Judith Affolter

Fachtagung 2011 Foto: Judith Affolter

Fachtagung 2011 Foto: Judith Affolter

Fachtagung 2011 Foto: Judith Affolter

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