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Abschlussbericht über die Projektphase 1/2009-3/2011

Das Folgende ist ein Auszug aus dem aktuellen Projektbericht:

Fazit und Empfehlungen

Das eXplorarium II war ein erfolgreiches Projekt mit einem dynamischen Verlauf und einigen unerwarteten Ergebnissen. Was im eXplorarium I erfunden und entwickelt wurde, konnte im eXplorarium II auf breiterer Basis erprobt und auf vielfältige Weise weitergegeben werden. Website, Newsletter, Film und Tagungsbeiträge finden großen Anklang, die Zusammenarbeit mit den Schulen wird fördernd und „auf gleicher Augenhöhe“ erlebt.

Offene Fragen im Projekt

Folgende Beobachtungen und Ergebnisse werfen jedoch Fragen auf:

  • Anspruch und Realität von eLearning in Schulen konnte bereits zu Beginn in Augenschein genommen werden. Es gab genügend praktische Beispiele aus den vorangegangenen Projekten. Die an eLearning interessierten Lehrkräfte neuer Schulen waren dadurch motiviert worden, das eXplorarium an ihre Schule zu holen. - Trotzdem verlief die Beteiligung der Schulen sehr unterschiedlich. Keineswegs überall gelang die Verbreitung im Kollegium.
  • Das Projekt hatte unseres Erachtens bessere Startbedingungen als eXplorarium I. Die meisten Schulen waren bereits technisch gut ausgestattet, es gab viele Kolleginnen und Kollegen, die sich mit Computern auskannten, viel mehr als beim vorangegangenen Projekt wollten eXplorarium-Kurse realisieren. – Die Selbständigkeit beim Entwickeln und Durchführen eigener Kurse war jedoch geringer als vorher.
  • Die sorgfältig ausgearbeiteten Modellkurse des Projekts sind häufig durchgeführt worden und enthalten ausführliche didaktische Kommentare. Auch in den vielen Materialien der Website sind konkrete Hinweise für guten, modernen Unterricht enthalten. – Trotzdem findet sich in den eigenständigen Kursentwicklungsansätzen der Lehrkräfte davon nicht immer etwas wieder. Es gibt ein gewisses Streben, das eXplorarium „rückwärtskompatibel“ zu machen – mit kürzeren Kursen, mit 45-Minuten-Einheiten, mit Übungen statt Erkenntnisprozessen.

Kursentwicklung im eXplorarium

Wir schließen daraus zweierlei:

  • Eine so umfassende Innovation, wie wir sie mit unserem eLearning-Programm angestoßen haben, lässt sich nicht in kurzer Zeit verstetigen. Eine Schule, die auf diesem Weg weitermachen will, braucht die Kooperation mit Fachkräften von außen, die die Kursentwicklung und das Angebot unterstützend begleiten. Für die interessierten Lehrkräfte sind anspruchsvollere Fortbildungen nötig, die Schulen brauchen noch mehr Beratung, wie sie eLearning im Schulalltag verankern können. In den Fortbildungen müssen didaktische und technische Innovationen gleichermaßen vermittelt und sinnvoll miteinander in Beziehung gesetzt werden.
  • eLearning braucht die bewusste Einbindung in weitere Vorhaben zur Unterrichtsreform. Das eXplorarium hat sich im jahrgangsübergreifenden Lernen ebenso bewährt, wie bei der Entwicklung von Kompetenz-orientierten Kursen und beim Realisieren von problemlösendem und konstruktivem Lernen. Doch müssen diese Lernformen auch im anderen Unterricht gegenwärtig sein.

An all dem sollte gearbeitet werden, um gute Praxis noch besser weitergeben zu können.

Trends im europäischen eLearning

Auf europäischer Ebene ist das Projekt im Einklang mit aktuellen Trends. Auf der EMINENT-Konferenz, mit der das European Schoolnet die Bildungsministerien der europäischen Länder mit Vertretern aus Wissenschaft, Industrie und Praxis zusammenbringt, um über IKT[1] im Bildungsbereich zu diskutieren, wurden 2010 in Kopenhagen folgende Entwicklungen aufgezeigt[2]:

  • IKT-gestützter Unterricht entwickelt sich in vielen europäischen Schulen weg vom Angebot von Ressourcen und Übungen und hin zu aktiven, selbstgesteuerten Aktivitäten der Lernenden aufgrund interessanter didaktischer Ideen.
  • Jugendliche haben inzwischen neue Lernstile entwickelt, denen der Unterricht gerecht werden sollte. Die "New Millenium Learners" werden als Technik-erfahren, Multitasking-fähig, individualistisch und gleichzeitig virtuell gut vernetzt beschrieben, mit einer sprunghaften, nicht-linearen und komplexen Art des Denkens und Lernens. Die "NML" nutzen gleichzeitig viele verschiedene Lernwerkzeuge; die Mehrheit thematisiert auch in sozialen Netzwerken schulische Themen und Hausaufgaben.
  • Es zeichnet sich ein Trend zum offenen, partizipatorischen Lernen und Lehren ab, das Lehrkräfte deshalb vor neue Herausforderungen stellt, weil die Grundlagen dafür durch sich schnell entwickelnde Technologien geschaffen werden, denen das Schulsystem nur schwer folgt.
  • Einige technische Innovationen verbreiten sich dennoch schnell und müssen zu gutem Unterricht werden. Ganz vorne findet man "1:1-Pädagogik" - jede/r Lernende nutzt ein eigenes Netbook –und Interaktive Whiteboards.
  • Pädagogische Innovationen der letzten Jahrzehnte bekommen mit Hilfe der digitalen Medien und der Notwendigkeit, die New Millenium Learners auch weiterhin in organisierte Bildungsprozesse einzubinden, neuen Auftrieb. Entdecken, herausfinden, Fehler machen, experimentieren - all das spielt aktuell eine große Rolle bei europäischen Ideen zur Bildungsreform.

Empfehlungen im Rahmen der G8+

Im Mai 2011 ist die „Gemeinsame Erklärung der Wissenschaftsakademien der G8+ zur Bildung für eine globale Entwicklung auf der Grundlage von Naturwissenschaften“ erschienen[3]. Sie ermutigt uns, auf dem eingeschlagenen Weg weiter zu gehen:

“The (… ) goal is to provide the basic knowledge necessary for future citizens in a globalized world. This includes the acquisition of basic knowledge in science as well as the understanding of the very nature of science, the way to pose and then challenge hypotheses. Students must develop a taste for doing experiments, analyze results, make inferences. In short, they must be “curiosity-driven”. During the last decades, inquiry-based Science Education (IBSE) has been successfully implemented in developed and less developed countries as well, supported by the Global Network of Science Academies (IAP).

A basic science education for all youngsters in the world is a matter of justice, sharing the beauty of scientific discoveries and the power of scientific methods. Last but not least, learning to reason properly may help protect young minds against intolerance. ( …)

Support international collaboration to set up quality e-learning facilities, accessible to all, including students worldwide, and promote open access to scientific literature and databases. (…)

Create a network of virtual collaborative research centres at the front line of innovations in education, such as e-learning, inquiry-based and evidence-based education.”

Zu den hier entworfenen Innovationsstrategien kann das eXplorarium substantielle und nachhaltige Beiträge leisten. Unsere Arbeit ermöglicht Kindern und Erwachsenen all das – die Neugier beim Lernen, die Lust am Experimentieren, das Erfinden eigener erfolgreicher Untersuchungsmethoden.

Und nicht zuletzt verbindet sie erfolgreich eLearning und Entdeckendes Lernen in Lernprozessen, an denen alle teilhaben und die sie mitgestalten können.

 


[1] IKT = Informations- und Kommunikationstechnologien, engl. „ICT“

[2]http://www.explorarium.de/elearning-in-europa/elearning-europa.html

[3] Aufgrund der ungenauen deutschen Übersetzung wird die englische Fassung zitiert. http://www.leopoldina.org/fileadmin/user_upload/Politik/Empfehlungen/G8/G8_Statement_Education_2011.pdf