Ute Zocher: Entdeckendes e-Lernen und Kohärenzgefühl

Vortrag von Dr. Ute Zocher im Rahmen der 1. Fachtagung der eXplorarium Lernwerkstätten am 30.Sept. 2015 zum Thema 'Lernen, das stark macht'.

 

Entdeckendes e-Lernen | eLearning und Lernwerkstatt im eXplorarium

Artikel von Karin Ernst und Miriam Asmus in der Septemberausgabe 2015 von Grundschule aktuell mit dem Thema Medienbildung vom Grundschulverband.  Das Heft kann hier hier bestellt werden.

Camtasia-Aufzeichnung

Entdeckendes Lernen + Moodle: Der Wasserkreislauf (Camtasia-Aufzeichnung mp4)

Vortrag von Claudia Clemens und Susanne Schneider (eXplorarium Dozentinnen) auf der Moodle Konferenz 'MoodleMoot' im März 2010 in Berlin

Entdeckendes Lernen mit Moodle

Karin Ernst: Entdeckendes Lernen mit Moodle

Vortrag auf der Fachtagung "eXplorarium - eLearning entdecken" des Projekts "eXplorarium - eLearning in der Ganztagsschule erkunden", September 2008, S. 18 - 25.
Die gesamte Dokumentation der Fachtagung finden Sie hier.

Entdeckendes Lernen

Karin Ernst: Entdeckendes Lernen - gestern und heute

Vortrag auf der Fachtagung "Was sind eigentlich Sonnentaler? - Konzepte und Projekte zur Verbesserung der naturwissenschaftlichen Bildung" des Projekts "Bildungsnetz Berlin", September 2008, S. 10 - 17.

Entdeckendes Lernen

Karin Ernst und Christian Frahm: Entdeckendes eLernen

Vortrag auf der Fachtagung "Erfolgreich lernen" des Projekts "Bildungsnetz Berlin", Juni 2007, S. 16 - 20 .

Viele Kurse im eXplorarium haben einen didaktischen Spannungsbogen, der von anfänglichen Fragestellungen zu dokumentierten Ergebnissen führt und dabei die Aktivitäten der Lernenden, ihre Ideen, Fragen, Umwege und Lösungen in den Mittelpunkt stellt. Dies möchten wir an zwei Beispielen ausführlich erläutern.

Kursidee: Ein Phänomen erkunden und etwas erfinden

Ein besonders häufig angebotener Kurs im eXplorarium ist die „Strom-Werkstatt“. Der Ablauf orientiert sich an der Idee des „Webquest“, einem amerikanischen Ansatz, der zum Ziel hat, aktives Lernen mit dem Internet möglich zu machen. Die Strom-Werkstatt hat in der Version für Schulanfänger/-innen folgende Stadien:

  • ƒƒDurch erkundende Experimente machen sich die Kinder mit wichtigen Phänomenen des elektrischen Stroms vertraut.
  • Die Aufgaben finden sie auf der Lernplattform, das Material in der Klasse.
  • ƒƒSie notieren Beobachtungen und Fragen im Online-Lerntagebuch und erhalten dazu ein Feedback. Ihnen wird Grundlagenwissen zum besseren Verständnis und zum Verfolgen eigener Fragen mit Hilfe des Internets angeboten.
  • ƒƒSie werden aufgefordert, ihre Erkenntnisse in die Erfindung eines eigenen „Leuchtobjekts“ umzusetzen, das sie entwerfen und bauen.
  • ƒƒSie präsentieren ihre Erfindung real und digital.
  • ƒƒIhren persönlichen Bezug zum Thema beschreiben sie in eigenen Texten, etwa dazu, wie sie sich Strom vorstellen oder was ihre Erfindung bedeutet.

Die Grundstruktur

  • ƒƒ sich mit einem Phänomen (oder einem Thema, einer Frage) vertraut machen
  • ƒƒes gründlicher kennenlernen
  • ƒƒetwas Eigenes dazu entwickeln oder erfinden
  • ƒƒdas Ergebnis beschreiben, präsentieren und persönlich erläutern

findet sich inzwischen auch in vielen anderen Kursen und macht die Kinder schnell zu selbstbewussten Lernenden.

Kursidee: Forschendes Lernen

In einem afrikanischen Curriculum-Projekt wurde ein wichtiges Prinzip Entdeckenden Lernens auf den Begriff gebracht: Die Aufforderung „Ask the Ant Lion“ regt Kinder dazu an, einem in ihrer Umgebung häufig vorkommenden Insekt „Fragen zu stellen“. Da Ameisenlöwen die menschliche Sprache nicht verstehen, müssen sie so gefragt werden, dass sie mit ihren eigenen Mitteln „antworten“ können. Die Frage „Was fressen Ameisenlöwen?“ stellt man also, indem man ihnen ganz unterschiedliche Nahrungsmittel anbietet, und beobachtet, was sie annehmen und was nicht. - Das begreifen Kinder sofort.

Das Prinzip, eine wissenschaftliche Fragestellung und eine Methode zu ihrer Beantwortung zu entwickeln, ist universell und heute ebenso im Unterricht anwendbar wie zur Zeit seiner Erfindung. In einem darauf aufbauenden Kurskonzept widmen wir uns beispielsweise dem Lebenszyklus der Mehlwürmer:
ƒƒDie Kinder lernen Mehlwürmer kennen und finden auf der Lernplattform Foren, in denen sie z.B. nach ihren Vermutungen gefragt werden, was ein Mehlwurm zum Leben brauche.
ƒƒSie entwickeln Experimente, mit denen sie den Vermutungen nachgehen, und beobachten dabei die Mehlwürmer über längere Zeit. Was sie sehen und sich fragen, wird in einem Wiki gesammelt. Der Lebenszyklus vom Mehlwurm zum Mehlkäfer und wieder zu neuen Mehlwürmern wird nach und nach dokumentiert.
ƒƒWenn interessante neue Fragen aufkommen, werden neue Arbeitsmöglichkeiten angelegt.
ƒƒDie durch die Beobachtungen von Mehlwürmern gewonnenen Erkenntnisse werden mit Hilfe von Internet-Material und realen Exkursionen auf Insekten ausgeweitet.
Das Kursprinzip ist durch alle Klassenstufen hindurch anwendbar, selbstverständlich für die unterschiedlichsten Themen.

Mehr Kursideen: Beteiligung, Zusammenarbeit, Freier Ausdruck

Aktives Lernen mit digitalen Werkzeugen funktioniert im Alltag inzwischen mit großer Vielfalt:

  • ƒƒIn unserem „Zeitungsprojekt“ haben Fünftklässler/-innen veröffentlichungsreife Artikel geschrieben, sich von einer Redakteurin dabei beraten lassen und Fragen für die Kinderpressekonferenz entwickelt.
  • ƒƒFür Klassenfahrten werden Untersuchungsfragen für die Arbeit vor Ort entwickelt und später online dokumentiert. Erwartungen vor der Fahrt und tatsächliche, oft überraschende Erfahrungen werden in Forumsdiskussionen reflektiert.
  • ƒƒIn Geschichtenwerkstätten schreiben Kinder mit Leidenschaft eigene Geschichten und geben sich gegenseitig Feedback. Ihre Sammlung illustrieren sie und machen daraus gedruckte und gebundene Bücher. Manche Geschichten gewinnen Wettbewerbe.
  • ƒƒMit Abstimmungen und Umfragen zu interessanten Themen kommen Kinder und Jugendliche Diagrammen und Kurven auf die Spur.
  • ƒƒKinder und Jugendliche entwickeln in der Lernwerkstatt und anderswo eigene „Forschungsfragen“ und dokumentieren ihren Arbeitsprozess in Blogs und Online-Büchern.

Wichtig ist dabei, die Kinder bzw. Jugendlichen ernst zu nehmen und ihnen Beteiligung und eigenständige Ideen zu ermöglichen, statt ihnen Aufgaben aufzudrängen, die allein die Lehrkraft wichtig findet.

Entdeckendes Lernen ist eine Konzeption von Unterricht, die auf Forschungen zur kindlichen Entwicklung und zum Lernen zurückgreift, aber die praktische Realisierung im normalen Schulalltag in den Mittelpunkt stellt. Historisch gesehen ist Entdeckendes Lernen mit vielen Ansätzen der kindorientierten (Reform-)Pädagogik verbunden, vor allem aber mit der Curriculum-Forschung im Bereich des naturwissenschaftlichen Lernens in englischsprachigen Ländern. Der Ansatz hat im Laufe der letzten 50 Jahre immer mehr an Bedeutung gewonnen und wird heute als „Inquiry based science education (IBSE)“ in der Europäischen Gemeinschaft nachdrücklich gefördert.

Die aktuellen Rahmenlehrpläne in Berlin berufen sich auf dieses Lernverständnis und stellen entsprechende Kompetenzen in den Mittelpunkt. Im Projekt eXplorarium können wir auf langjährige Erfahrungen mit Entdeckendem Lernen in Lernwerkstätten und eine reichhaltige Sammlung praxisorientierter Unterrichtsmaterialien zurückgreifen. In den "Texten zum Thema" dieses Kapitels lässt sich unser Verständnis detaillierter nachlesen.

Entdeckendes Lernen als Prozess

  • Entdeckendes Lernen beginnt damit, dass etwas fraglich wird. Sich wundern, staunen, irritiert sein, provoziert werden, mit Zweifeln konfrontiert sein - all dies kann neues Lernen nach sich ziehen, wenn die Lernumgebung es fördert.
  • Deshalb ist es wichtig, die vorhandenen Denkstrukturen ins Bewusstsein zu rücken - durch konzeptuelle Landkarten und andere kreative Methoden, durch Fördern von Erinnerungen und durch Äußern von Vermutungen und Voraussagen zur eigenen Arbeit.
  • Besonders, wenn Entdeckendes Lernen anfängt, ist eine “Wuselphase” nötig, in der alle möglichen Ideen ausprobiert und wieder verworfen werden.
  • Hieraus schälen sich allmählich einzelne Fragenkomplexe heraus, über die man Neues herausfinden möchte. Der Mut, sich auf eine entsprechende Untersuchung einzulassen, wird sehr gestärkt, wenn man eine Idee hat, wie man dabei vorgehen kann, und wenn einem Lehrerin oder Lehrer vermitteln, dass man nicht völlig auf dem Holzweg ist.
  • Während der Arbeit ist es immer wieder angebracht, die neu entstandenen Erkenntnisse zu sichten und zu ordnen und mit anderen darüber zu reden. Dabei hilft das Gespräch in der Gruppe und die Lernbegleitung durch Lehrerin oder Lehrer.
  • Dokumentation und Präsentation der (vorläufigen) Ergebnisse sind Verarbeitungsformen, die die konkret untersuchenden Handlungen in Symbolstrukturen fassen helfen (Sprache, Zahlen, Schaubilder, Theaterstücke, Geschichten), die wiederum die Verankerung der neuen Erkenntnisse im Denken unterstützen.

Entdeckendes Lernen erfordert für alle diese Tätigkeiten Zeit und die Möglichkeit, viele verschiedene Wege auszuprobieren.

Um solche Lernverläufe im eLearning möglich zu machen, haben wir verschiedene Kurskonzepte entwickelt und erprobt, die den vielen möglichen Erkenntnisprozessen jeweils einen Roten Faden geben.

Auszug aus:
Karin Ernst, Entdeckendes Lernen mit Moodle,
Vortrag auf der eXplorarium-Fachtagung 2008,
Download auf unserer Website